"Österreich steuert auf eine "graue Wohnungsnot zu", ist eine Schlüsselaussage des ersten Marktberichts von Silver Living. Der Marktbericht wurde beim Silver Living Forum an der Universität Wien präsentiert. Die Daten wurden im Auftrag von Silver Living im Rahmen einer Sekundäranalyse von FH Univ. Doz. Dr. Wolfgang Amann, Geschäftsführer vom Institut für Immobilien Bauen und Wohnen GmbH, erhoben und gemeinsam mit Silver Living analysiert.

2017 bezogen österreichweit rund 460.000 Personen Pflegegeld. Darüber hinaus ist von rund 200.000 hilfs- und pflegbebedürftigen Personen ohne Pflegegeldbezug auszugehen. Mehr als 70 % der Pflege wird von Angehörigen erledigt. Zwei Drittel der pflegenden Angehörigen sind Frauen, die Hälfte davon ist selbst über 55 Jahre alt. Von den rund 69.000 Personen in Pensionisten- und Pflegeheimen sind 50.000 Frauen. Der Anteil der Frauen und Männer in Heimen steigt mit dem Alter rasch an. Sind es bei den unter 60-Jährigen kaum 0,5 Prozent und bei den 70-Jährigen unter 3 %, steigt der Anteilswert bei den hochbetagten Männern auf fast 20 % und bei den Frauen auf über 30 %. Die mit Abstand stärkste Gruppe in den Heimen sind die 85- bis 95-Jährigen.

"Insgesamt kann ein proaktives heutiges Handeln der Politik mit entsprechenden Förderprogrammen und innovativen Pilotprojekten langfristig helfen, um die 'graue Wohnungsnot' in den Griff zu bekommen", sagt Walter Eichinger, Geschäftsführer von Silver Living. "Vor dem Hintergrund der demografischen Veränderung ist dem Gesetzgeber dringend anzuraten, die Förderungen für Umbauten und Modernisierungen stark auszuweiten. Sowohl das Volumen, die Konditionen als auch der Zugang zu Förderungen müssen geeignet sein, eine rasche Ausweitung des Angebots an barrierefreien Wohnungen herbeizuführen."

Der demografische Wandel und die Entwicklung des Pflegbedarfs lassen eine dynamische Entwicklung des Betreuten Wohnens erwarten. Es bewirkt individuelle Kostenvorteile gegenüber stationärer Pflege und vermehrten Komfort gegenüber normalen Wohn- und Pfegeformen. Betreutes Wohnen verursacht wesentlich geringere volkswirtschaftliche Kosten als andere Formen der Pflege. Nicht jede/r HeimbewohnerIn gehört ins Heim, oft funktioniert aber die Unterbringung im eigenen Zuhause nicht mehr. Die Mehrzahl der Bundesländer beschränkt ihre (Objekt-) Förderung auf gemeinnützige Bauvereinigungen. Einzelne Länder setzen stattdessen Subjektförderungen ein, wodurch der Wettbewerb zwischen gemeinnützigen und gewerblichen Bauträgern forciert wird. Bei der Zugänglichkeit von Wohnbeihilfe und Pflegezuschuss besteht vielfach keine Chancengleichheit zwischen gemeinnützig und gewerblich.

Die jährliche Bauleistung Betreuter Wohnungen liegt österreichweit bei rund 1.500 Einheiten. Das sind rund 4 % des gesamten großvolumigen Neubaus. Insgesamt steht heute österreichweit ein Bestand von rund 17.000 Betreuten Wohnungen zur Verfügung (im Vergleich zu rund 69.000 Heimplätzen). Darin nicht enthalten ist allerdings die große Zahl an barrierefreien Wohnungen. Hier fehlt es konzeptionell an der organisatorischen Bündelung von sozialen Dienstleistungen und deren Verbindung mit Wohnangeboten. Einen besonders hohen quantitativen Stellenwert hat Betreutes Wohnen im Burgenland, in Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg und der Steiermark, wo jeweils etwa 0,5 % des Wohnungsbestands Betreute Wohnungen sind.

Derzeit leben in der Altersgruppe 60plus rund 2.234.000 Menschen in Österreich. Bis 2029 werden es 530.000 mehr sein. Das Marktpotenzial für Betreutes Wohnen respektive altersgerechte Wohnformen lassen sich anhand dieser statistischen Daten und Kennzahlen sehr gut festlegen. In Europa gehen ExpertInnen von rund 7 % der über 70-Jährigen aus, die Betreutes Wohnen in Anspruch nehmen bzw. nehmen werden. Allerdings ist zu berücksichtigen, dass dieser Prozentsatz laufend nach oben revidiert wird.

Wenn Sie Interesse an unserem Marktbericht Seniorenwohnen haben, senden Sie bitte ein Mail mit Ihren Kontaktdaten an Fr. Claudia Zierler.